• Nach der Banklehre in Berlin wollte er mehr – und Meer. Eduard Crüsemann volontierte bei einem Bremer Reeder und gründete 1848 seine eigene Handelreederei – ein Vorläufer des Norddeutschen Lloyd.

    BildMit seinen 22 Jahren fühlte sich Eduard Crüsemann gefestigt genug, bald auf eigenen Füßen zu stehen. Antrieb dazu gab ihm Henriette, die er auf einem Ball der feinen Berliner Gesellschaft kennengelernt hatte. Ihr wollte er ein standesgemäßes Leben in Bremen bieten. Das Erbe seiner Großmutter war das Startkapital für Kontor, Lager und zwei Schiffe, die sich bereits einige Jahre bewährt hatten und günstig zu haben waren. Als Zeichen seiner Liebe, benannte er sein erstes Schiff »Henriette«, ein Zweimastschoner, mit dem er als erste Fracht Schweden-Holz die Weser aufwärts nach Minden verfrachtete. Der neue Name der größeren Dreimastbark lautete »Charlottenburg«, der Geburtsort seiner Braut – das sollte dem Unternehmen Glück bringen.

    Glück hatte Eduard auch mit seinem Vater Conrad Crüsemann. Der nämlich war derzeit Europas bedeutendster Importeur für Seidenstoffe aus China, Indien und Persien. Es wäre naheliegend, dass Eduard ins väterliche Geschäft einstieg, doch er wollte seinen eigenen Weg gehen und seine Welt über das Wasser erobern. Mit der »Charlottenburg« gelang das zunächst bis London, mit einem Schiffsbauch voller Seidenballen und einigen Passagieren in den Kabinen.

    Auch Eduard war an Bord, wollte in London Geschäfte anbahnen und Fracht für die Rückfahrt aufnehmen. Zu seiner Überraschung erhielt er eine Einladung ins Londoner Kontor der Cunard Reederei. Als er das Haus wieder verließ, hatte er mit Samuel Cunard Freundschaft geschlossen. Der geschäftliche Teil daran war der Zubringerdienst für Auswanderer nach Amerika.

    War Eduard Crüsemann schon vorher im Denken weit über das konservative Leben der Bremer Gesellschaft hinaus – die seefahrenden Insulaner ließen seine Visionen sprudeln. Auch er wollte Dampfschiffe haben, Auswanderer direkt nach New York bringen, Waren von dort in den Norden bringen …

    Es folgen zwei Jahrzehnte, die die Welt verändern. Die Postkutschen, mit denen er noch nach Venedig fuhr, um den Warentransport italienischer Händler über Bremen zu lenken und so die Piraten von Gibralta zu umgehen, wurden von Eisenbahnen ersetzt. Die Schiffe hatten Schlote statt Segel, ihre Rümpfe waren nicht mehr aus Holz. Die Auswanderer waren nicht mehr für immer fort. Sie kamen zurück oder zu Besuch. Briefe und Pakete gingen hin und her. Das Leben in den Städten war von Geschäftigkeit geprägt. Der Krieg in der Neuen Welt führte zu neuen Zielen. Es war die Zeit, als die Welt neu entdeckt wurde – sie hörte nicht mehr an der Küste auf.

    Was aufhörte, war Eduard Crüsemanns Leben, am 1. September 1869 starb er 43-jährig an Zuckerkrankheit, für die es derzeit noch keine medizinische Lösung gab. Ehefrau Henriette und Tochter Hedwig kehrten nach Berlin zurück. Dort heiratete Hedwig den Chemiefabrikanten Georg Heyl – er ist der Großvater des Autors Klaus-Jürgen Heyl.

    »Bei einem Flug in die USA dachte ich an meinen Ururgroßvater, der vor 170 Jahren Auswanderer in die Neue Welt brachte – anfangs noch mit Segelschiffen«, erzählt Klaus J. Heyl. »Dann vertiefte ich mich in den Annalen meiner Familie. Es ergibt sich eine andere Sichtweise, als die, wie man sie in der Chronik einer Weltfirma liest. Deshalb ist ein Buch daraus geworden.« (www.kadera-verlag.de)

    Der 1857 gegründete Norddeutsche Lloyd war über hundert Jahre in Konkurrenz und Kooperation mit der Hamburger Packetfahrt Actiengesellschaft (Hapag) verbunden. 1970 wurde daraus die HAPAG LLOYD AG – ein Weltunternehmen der Seefahrt mit zwei Wurzeln.

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    Eduard Crüsemann – ein Global Player im 19. Jahrhundert

    veröffentlicht am 13. Juli 2018 in der Rubrik Allgemein
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